Ist ein Kinderfahrrad mit Schaltung sinnvoll?

Es gibt Kinderfahrräder ohne Schaltung, aber auch solche mit Kettenschaltung und Nabenschaltung. Hier erfährst Du, was für Dein Kind sinnvoll ist.

 

Wer kennt es nicht: Ein Kind flitzt auf einem Fahrrad vorbei und erinnert mit seinen rasend schnellen Tretbewegungen an eine Nähmaschine. Jetzt wäre es wohl Zeit für eine Gangschaltung. Aber warum gibt es Kinderfahrräder mit Gangschaltung und ohne?

Eine Gangschaltung am Fahrrad dient im Prinzip dazu, die Tretbewegung an die Geschwindigkeit und das Gelände anzupassen. Ziel ist ein gleichmäßiges und effektives Treten bei unterschiedlichen äußeren Bedingungen. Klingt sehr theoretisch, nicht wahr? Wahrscheinlich zu theoretisch, um von einem kleinen Kind verstanden zu werden.

 

Keine Schaltung für Spielfahrräder

Zum besseren Verständnis unterscheiden wir zwei Arten von Kinderfahrrädern: Spielfahrräder und Straßenfahrräder. Erstere sind für Kinder bis etwa sechs Jahre gedacht. Und es gibt eine Reihe von Gründen, warum Spielfahrräder in der Regel keine Gangschaltung haben:

  • Um eine Schaltung sinnvoll zu betätigen, benötigt Dein Kind ein Grundverständnis der Funktionsweise – siehe die Theorie von eben. Das kann man von einem Dreijährigen aber nicht erwarten.
  • Spielfahrräder sollen in erster Linie leicht, robust und unkompliziert sein. Eine Gangschaltung würde das Spielrad nicht nur schwerer und empfindlicher, sondern vor allem auch komplexer machen. Kinder im Spielradalter sollen sich aber ganz auf die Grundlagen des Fahrradfahrens konzentrieren können: treten, balancieren, lenken, bremsen. Eine Gangschaltung würde sie überfordern. Selbst Erwachsene müssen ja häufig nachsehen, in welchem Gang sie gerade fahren.
  • Eine Gangschaltung benötigt ein gewisses Maß an Feinmotorik, das bei Kindern im Spielradalter selten schon vorhanden ist.
  • Nicht zu vergessen: Viele Schaltgriffe sind zu groß für Kleinkinderhände.

 

Wann ein Kinderfahrrad mit Gangschaltung?

Mit dem Eintritt in die Schule wechseln viele Kinder von einem Spielrad auf ein verkehrssicheres Straßenfahrrad. (–> Was ein Fahrrad verkehrssicher macht) Es hat eine Beleuchtung, einen Gepäckträger – und meist auch eine Gangschaltung. Denn mit fünf oder sechs Jahren bringen die meisten Kinder die Voraussetzungen mit, die ein Fahrrad mit Schaltung verlangt. Dazu zählen insbesondere das sichere Lenken und Bremsen. Dieses Fahrkönnen ist die Bedingung dafür, dass Dein Kind zusätzlich Aufmerksamkeit auf eine Schaltung richten kann.

 

Auch Kinder-Mountainbikes wie aus unserer Eightshot-Serie verfügen über eine Gangschaltung. In hügeligem Gelände ist es besonders wichtig, die Tretbewegung an das laufend wechselnde Terrain anzupassen. Auch das gelingt Kindern meist erst ab fünf Jahren.

 

Aber natürlich entwickelt sich jedes Kind in seinem individuellen Tempo. Bei der Frage, ob Gangschaltung oder nicht, solltest Du also auch auf Dein Bauchgefühl als Mutter oder Vater vertrauen. Und natürlich die Meinung Deines Kindes mit einbeziehen. Wenn es unbedingt eine Gangschaltung möchte, hat es meist auch die nötige Motivation, die Bedienung zu erlernen. Fühlt es sich schon bei den Gedanken an drei Gänge unwohl, dann lass Deinem Kind noch etwas Zeit – oder lass es zum Ausprobieren auf dem Mehrgang-Rad eines anderen Kindes Probe fahren.

 

Wie viele Gänge haben Kinderfahrrad-Schaltungen?

Die von uns verbauten Shimano-Nabenschaltungen bieten zwischen drei und sieben Gängen. Eine Dreigang-Schaltung stellt den idealen Einstieg in das Thema Gangschaltung dar und reicht in flachen Regionen aus. Mit einer Siebenfach-Schaltung ist Dein Kind dank der größeren Bandbreite an Gängen auch in hügeligem Gelände gut unterwegs.

 

Weiterer Vorteil von zahlreicheren Gängen: die feinere Abstufung. Dein Kind findet also immer einen passenden Gang, ohne zu schwer oder zu leicht zu treten. Das trifft auch auf unsere Shimano-Kettenschaltungen zu. Sie haben an Kinderfahrrädern sieben oder acht Gänge. So erlernen Kinder auch ein intuitives Schalten. Allerdings: Viele Gänge sind schwieriger zu bedienen als wenige. An Kinderfahrrädern macht bei einer Kettenschaltung nur ein Kettenblatt an der Kurbel Sinn. Schaltungen mit zwei oder drei Kettenblättern bieten zwar ein höheres Gangspektrum, aber auch einige Gangüberschneidungen. Das könnte Dein Kind überfordern.

 

Die ideale Anzahl der Gänge hängt also von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen die Vorlieben und Vorkenntnisse Deines Kindes ebenso wie topografische Gegebenheiten des Einsatzbereichs.

 

Welche Gangschaltung fürs Kinderfahrrad?

Ob Nabenschaltung oder Kettenschaltung, ist eine Abwägungsfrage. Denn beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile.

 

Vorteile und Nachteile einer Nabenschaltung:

  • Nabenschaltungen sind dank ihrer geschlossenen Bauweise weitgehend wartungsfrei.
  • Eine Nabenschaltung bietet sanfte Gangwechsel und lässt sich sogar im Stand schalten.
  • Eine Nabenschaltung ist schwerer als eine Kettenschaltung und schlägt auf das Gesamtgewicht des Kinderfahrrads.
  • Wartung und Reparatur müssen meist von qualifiziertem Personal vorgenommen werden.

 

Vorteile und Nachteile einer Kettenschaltung:

  • Viele Kinder mögen das sportliche Aussehen einer Kettenschaltung und die knackigen Gangwechsel.
  • Wenn mal etwas kaputt geht, lässt sich eine Kettenschaltung in den allermeisten Fällen auch ohne großes Fachwissen reparieren.
  • Eine Kettenschaltung ist aufgrund ihrer exponierten Position am Rad anfälliger für Defekte wie etwa ein verbogenes Schaltauge.
  • Eine Kettenschaltung muss exakt eingestellt sein und benötigt einen gewissen Aufwand für Reinigung und Pflege. (–> Die richtige Fahrradpflege)

 

Fazit: Ein Kinderfahrrad mit Gangschaltung empfiehlt sich erst, wenn Dein Kind fahrtechnische Voraussetzungen wie das sichere Bremsen beherrscht. Kinder unter fünf Jahren sind mit der Komplexität einer Schaltung oft überfordert. Die ideale Anzahl der Gänge und die Art der Schaltung bleiben individuell.

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